ÜBER DAS BUCH

DAS BUCH: SORGEN & HOFFNUNGEN

In der Zeit der bevorstehenden Wiedervereinigung schrieb der Künstler Otto Hoernisch im Mai 1990 an prominente und bedeutende Zeitgenossen – und bat um ihre Gedanken zu den Ereignissen.

„Die bevorstehende Vereinigung der beiden deutschen Staaten DDR und BRD löst in mir und bei vielen anderen Menschen nicht nur Freude, sondern auch Angst und Sorge aus“, schrieb Otto Hoernisch vor 30 Jahren an 200 ausgewählte Politiker, Künstler, Medienschaffende und Vertreter der Kirchen.

Es antworteten ihm 70 so bekannte Persönlichkeiten wie Dorothee Sölle, Luise Rinser, Norbert Blüm oder Herta Däubler-Gmelin. Alle gaben ihrer Sorge, ihrer Hoffnung oder aber auch ihrer Gleichgültigkeit zum bevorstehenden Wiedervereinigungsprozess Ausdruck.

Der Grafiker gestaltete aus den Antworten ein Buch, der Reinerlös floss humanitären Zwecken in der DDR zu.

Otto Hoernisch schickte das Buch an 200 Prominente und erhielt über 70 Antworten – darunter auch von Willy Brandt!

Das Buch kann bei KulturVision gegen eine Schutzgebühr von 10€ bestellt werden (siehe Kontakt).

ZITATE DAMALS

„Bei der Betrachtung habe ich das Gefühl, als ob in Ihrer Grafik die DDR von der Bundesrepublik einverleibt wird. Das ist nicht beabsichtigt, siehe Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion.“

(Norbert Blüm)

„Meine Vision ist eine andere: BR-D-DR“

(Herta Däubler-Gmelin)

„So wird’s nicht werden! Buchstaben sind nicht alles und nicht mit Menschen zu verwechseln.“

(Rainer Eppelmann)

„Ich habe nie die BRD – die ich auch nie so genannt habe, sondern immer Bundesrepublik – gleichwertig neben die DDR gestellt. Und zwar aus meinem Rechtsempfinden heraus.“

(August Everding)

„Das geht alles so schnell. Zu schnell.“

(Amelie Fried)

„Deutschland, eilig Vaterland! Schluß damit. EUR. EURO. EUROP. EUROPA.“

(Elke Heidenreich)

„Das Volk hat entschieden!“

(Hans Küng)

„Freiheit schöner Götterfunke!“

(Jürgen W. Möllemann)

„BDR. Bundes Deutsche Republik“

(Klara Nowak)

„Wenn wir uns einatmen lassen, dann sind WIR schuld, nicht die anderen!“

(Jens-Georg Reich)

DER ORIGINALBRIEF VON OTTO HOERNISCH

Im Mai 1990

Sehr geehrte/r Herr/Frau N.N.,

die bevorstehende Vereinigung der beiden deutschen Staaten DDR und BRD löst in mir und bei vielen anderen Menschen nicht nur Freude, sondern auch Angst und Sorge aus.

Diese Gefühle habe ich als Künstler versucht zu visualisieren.

Ich darf Sie bitten, nach Empfang der Graphik „Vereinigung“ unmittelbar auf derselben Ihre spontanen Empfindungen, persönlichen Gedanken dazu niederzuschreiben und an mich zurückzu­senden.
Für uns alle ist es eine Notwendigkeit, ein politisches Dokument zu schaffen, das Zeugnis der persönlichen Verantwortung in dieser Zeit ist.

Geplant ist eine Ausstellung sowie eine Publikation der Aussagen. Der Reinerlös soll von einem unabhängigen Gremium vorgeschlagenen humanitären Zwecken in der DDR zugeführt werden.

Ich darf Sie deshalb ganz herzlich um Ihre Mitarbeit bitten.

 

Mit freundlichen Grüßen
Otto Hoernisch

P. S. Die signierte und numerierte Graphik ist ein Dankeschön an Sie.